Dienstag, 4. Dezember 2012

Ich weiß, diese Grafik koennen Sie nicht erkennen, aber ....

was ich eigentlich mit dieser Folie sagen wollte ist..."

Wie oft haben Sie diesen Satz in einer Präsentation schön gehört ?
Es vergeht keine Tagung, ohne mindestens 5 Variationen dieses Satzes, der eigentlich immer mit " ich war zu blöd es richtig zu machen" im 2. Teil enden sollte, und immer mit einer 10pt PowerPoint-Folie mit einer sehr schlecht gemachten Grafik einhergeht.

Nach dem Ende der Tagungssaison, muss ich leider feststellen, das doch, obwohl mittlerweile Präsentationswissen in der Literatur und im Web wirklich gut erhältlich ist, immer noch mit zahlreichen aussagelosen Charts, Punkt-für-Punkt Folien, oder am besten mit einer Kombination von beiden im Mini-Pixel -Format versucht wird, den Zuhörer ! Innerhalb von Sekunden in Schlaf - oder schlimmer noch in "e-Mail-auf-dem-smartphone-beantwortungs"-Modus zu versetzen.

Am besten versucht der Vortragende noch sich auf seiner Super-Folie zurechtzufinden, indem er sich umdreht, und den geschriebenen Text nochmals der Wand vorliest, Und dann kommt der berüchtigte Satz, " ich weiß es sieht komplex aus, aber was ich eigentlich sagen wollte Ist...."

Der beste Praesentator der letzten 14 Tage war übrigens jener, der noch nicht einmal vom Rednersofa aufstand, sondern entspannt sitzen blieb, und seinen Vortrag frei und ohne Folien hielt. Er sagte einfach, was er zu sagen hatte.


Vielleicht sollte nochmals klar gemacht werden, das es sich um ein AUDITORIUM handelt, zudem man spricht, AUDIO bedeutet "ich Höre "

Da sind Folien nur ein kleines Beiwerk zur Ergänzung.

Grüße aus London

Montag, 30. Januar 2012

In Deutsch bitte


Wir Baden-Württemberger können alles ausser Hochdeutsch"
So war einst der Leitspruch einer Werbekampagne meines Bundeslandes.

bei diversen Begegnungen mit Technologieanbietern in meinem Bereich fallen mir immer wieder Präsentationen auf die so ähnlich enden müssten:

"Wir BI-Anbieter können alles ausser Hochdeutsch"

Nach 18 Jahren Tätigkeit in der Schnittstelle zwischen IT und Controlling sollte ich mich mittlerweile daran gewöhnt haben, aber leider muss ich gestehen, das dem nicht so ist.
Im Gegenteil, es scheint je länger ich mich mit der Materie beschäftige, desto grösser wird meine Abneigung gegen IT Begriffe, die die meisten im Auditorium weder verstehen noch, falls sie den Begriff verstünden, es sie in irgendeiner Weise in der Lösung Ihres Problems weiterbringen würde.

Kürzlich habe ich mich im Bestreben auf Wissen "verbucht": ich besuchte ein Cloud-Computing Symposium eines großen Hard- und Softwareherstellers.

Die Konferenzsprache war in Englisch gehalten, also fallen normalerweise schon einmal 50% weniger Fachwoerter auf, da die alle BUzzwords der Branche ja aus dem englischen stammen, diese aber natuerlich im fremdsprachlichen Kontext weniger herausstechen.

Ehrlich gesagt, ich habe nur 20 % des gesagten wirklich verstanden, das lag aber, nicht an der Unkenntnis der massiv verwendeten 3 Buchstaben Abkürzungen, denn ich konnte dank WLAN im Konferenzgebäude und Wikipedia alle BUzzwords die ich vernahm sofort aufschlüsseln,
sondern vielmehr an der Trivialität derselben Begriffe für die Lösung von Business-Anforderungen.

Ich fragte, mich nach einigen Vorträgen wirklich ob ich in einer Zeitmaschine gesessen habe, die meisten dieser Präsentationen unterschieden sich in denen im vergangen Jahrzehnt lediglich durch eine neue Anordnung der Buchstaben in wichtigen Abkürzungen.

Da die Abkürzungen jedoch mehrheitlich 3 Buchstaben umfassen und in irgendeiner Form aufgrund Vermarktungsgesichtpunkten phonetischen Sinn ergeben müssen, bin ich positiver Hoffnung, dass die IT Branche in spaetestens 10 Jahren von den 3 Buchstaben Wörtern, die kein Branchenfremder versteht ablässt. Denn dann werden die Kombinationen ausgegangen sein.



Via IPad erstellt

Dienstag, 24. Januar 2012

Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten

Mein aktueller Artikel im Controlling Berater beschäftigt sich mich Risiko-Management. Für Unternehmen zweifelsfrei eine wichtige und sogar gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe, aus der sich wichtige Erkenntnisse ziehen lassen.

..... aber, jeder von uns der Sport macht weiss auch, dass man an einem Hindernis garantiert scheitert, wenn man es fokussiert.
Fährt man beim Mountainbiken, über einer Baumstamm sollte man immer auf den Weg hinter dem Baumstamm sehen, ansonsten ist ein Scheitern vorprogrammiert, schaut man beim Paddeln auf sein wackeliges Surfbrett hinab, liegt man Sekunden später im Wasser. Zögert man bei der Starkwindhalse beim Segeln nur eine Sekunde vor Angst, wird das Manöver scheitern.

Ich glaube, trotz allen Risikomanagement-Tools und Methoden, das man als Unternehmer hier von seinen Freizeiterfahrungen Profitieren wird.


Via IPad nach einer Paddeltour erstellt.


Mittwoch, 14. September 2011

Pflichtenheft nur als Pflicht - nicht als Kür

Vor kurzem rief mich ein (potentieller) Kunde an, ob ich mal über sein Pflichtenheft für seine Reportinglösung schauen könnte, ob es denn so verständlich sei ?
Er wolle es an verschieden Anbieter senden, um Angebote einzuholen.

Natürlich war das Pflichtenheft verständlich, wenn man sich die Zeit nahm ca. 50 Seiten tabellarischen Text und Schaubilder zu studieren.
Man sah sofort, dass die Erstellung des Werkes eine erhebliche Arbeit verursacht haben musste, die bei einigermaßen vorsichtiger Schätzung des Projektaufwandes sicherlich ein Mehrfaches des eigentlichen Projektaufwandes war.
Ein gefundenes Fressen also für die Empfänger, den geneigten Vertriebsmitarbeiter von BI-Anbietern.

Der Anforderungskatalog war denkbar einfach und weich ( "gute Performance bei Abfragen") gehalten, und die Infrage kommenden Anbieter konnten sicherlich alle Punkte der Liste mit "JA" beantworten.

Bei den Reportanforderung, waren einzelne Pflichtreports aufgeführt, und einige "Kann"-Reports, die Pflichtreports ließen also keinen Spielraum für die Verbesserung der Darstellung aufgrund der neuen Architektur des Systems - schade.

Das Ergebnis wird klar sein, die Projektschätzung wird bei 0,5 - 1 Tag pro Pflichtreport liegen -
In unserem Beispiel mit dem Riesen Werk also 15 Tage, für die Erstellung und Schnittstellen werden nochmals 10 Tage kalkuliert werden ( 3 Tage Installation, Benutzerverwaltung,  Rest ETL).
Da der Consultant, der das Pflichtenheft von einem Vertriebsmitarbeiter vorgelegt bekommt, um den Aufwand zu schätzen, auf Nummer sicher gehen will wird er einen kleinen "Sicherheitsaufschlag" einbauen - sagen wir 5 Tage. Er wird dem Vertriebsmitarbeiter also 30 Tage als Projektschätzung für das Consulting abliefern.

Dem Vertriebsbeauftragten, wird das zunächst viel erscheinen, aber er wird sich denken, wenn jemand ein halbes Jahr mit der Erstellung eines Pflichtenheftes verbringen kann, werden 30 Tage Consulting mindestens angebracht sein.
Bevor der Vertriebsmitarbeiter sein Angebot abgibt, wird er feststellen, dass gemäß  Pflichtenheft ein Werkvertrag entsteht, also wird er nochmals einige Tage als Sicherheit aufschlagen - sagen wir 10-15  Tage.

Mit 45 Tagen Beratung zzgl. einem Angebot über Software, die die Anforderungen erfüllt ( Also die komplette Suit inkl. ETL und Web) wird er ein Angebot für 60-90 Tsd Euro einreichen.

Ich schätze das Projekt nach mehreren Telefonaten auf ein Kleinprojekt bei einem kleinerem Unternehmen, in aller Regel kann bei solchen Projekten der Kunde nach 3 - 4 Tagen das Steuer übernehmen und wir können uns auf die Inhalte und das Report-Design konzentrieren.

Nach dem eingereichten Pflichtenheft sieht das allerdings nicht so aus.

Vorsicht also bei der Erstellung von Pflichtenheften in BI-Bereich, was gut gemeint ist, geht oft nach hinten los.
Für beide Seiten ist die Arbeit mit Pflichtenheften gefährlich:

-Das Projekt wird am Anfang in ein Gerüst gezwängt, und man unterbindet jegliche Kreativität während der Projektarbeit.

-Die Sicherheit, die sich ein Kunde durch die Erstellung eines Pflichtenheftes beim Projektausführenden erwünscht, wird er durch einen ebenso verständlichen Sicherheitszuschlag beim Angebot erkaufen.

- Die Softwareanforderungen sollten nur in Ausnahmenfällen Katalogisiert werden und zur freien Beantwortung zur Verfügung gestellt werden, Besser ist es dem Anbieter bei der Beantwortung der Fragen in die Augen zu schauen.

Natürlich sind Pflichtenhefte sinnvoll in einigen Bereichen, grade Auftragsproduzenten sind es gewohnt im Geschäftsverkehr hiermit zu hantieren, die Erstellung einer BI-Lösung ist aber eher die Kür zielführend  nicht die Pflicht.

Donnerstag, 25. August 2011

Haben Sie eine virtuelle Schuhputzmaschine

Grade eben, beim Geschäftsessen waren wir in einem Restaurant, das im Vorraum der WCs einen Schuhputzautomaten stehen hatte.

Ich freue mich jedes mal, einen solchen Automaten in einem Hotel, Restaurant oder manchmal sogar auf einer Tankstelle anzutreffen, leider gibt es sie immer weniger.

Diese Art des Kundenservice, bei dem ein Bedürfnis des Kunden,häufig sogar ein Problem des Kunden( je nach Verschmutzung der Schuhe), gestillt wird ohne das die Lösung irgendwie mit dem Angebot des Anbieters in Zusammenhang steht, finde ich grossartig.

Ich erwische mich zum Beispiel dabei, jedes mal einen Kaffee an der Tankstelle zu kaufen, bei der der Schuhputzautomat steht.

Bei der Virtualisierung unsere Geschäftswelt, sind die Schuhputzautomaten leider irgendwie auf der Strecke geblieben, mir fällt zumindest grade keine kommerzielle Website ein, die einen "Schuhputzautomaten" hat, ( also ein fuer mich nützliches Gadget, das nicht im direkten Zusammenhang mit dem Hauptgeschaeft des Anbieters steht), der mich dazu verführt, häufig vorbeizuschauen.

Vielleicht kennen Sie einige Beispiele?
Sobald mir ein "Schuhputzautomat" einfällt, werden wir den Ihnen natürlich zur Verfügung stellen.



Montag, 22. August 2011

Der BlaBla-Meter Test

Vor kurzem hörte ich bei SWR3 einen interessannten Webtip das "BlaBla-Meter" http://www.blablameter.de/index.php lt. Seitenüberschrift entlarvt die Seite schonungslos Phrasen und Textrauschen.

Natürlich konnte ich nicht wiederstehen und schickte die Teaser aller BI Anbieter durch das BlaBla-Meter. Das Ergebnis war mir irgendwie schon vorher klar, auf einer Skala von 0-1 waren alle Anbieter über 0,8 auf der BlaBla Skala, die Erläuterungen der Auswertung waren sehr stimmig, bei einem Anbieter kam sogar der absolute Top-Wert 1,42 heraus, mit einer ausdrücklichen Gratulation einen 300 Wörter Text komplett ohne Inhalt abgeliefert zu haben.

Beim Aufbau unserer Website, wurde uns dieses Problem bewusst, denn wir konnten ja schlecht mit rauschfreien Analysen werben, und gleichzeitig unsere Texte mit "BlaBla" füllen. Wir durchforsteten also den Inhalt unserer Text auf Phrasen wie "optimiert", "prozessorientiert", "voll-integriert","schnellstmöglich" etc, sowie auf superlative wie beste, schnellste, erfahrenste etc.

Wir hatten eine Menge Spass beim Texten, denn sich phrasenfrei und ohne Rauschen zu präsentieren, ist nach über einem Jahrzehnt als Berater, wirklich nicht einfach.

Achten Sie mal bei Ihren Präsentationen darauf, Phrasen, Füllwörter und Superlative wegzulassen, dem Inhalt schadet es bestimmt nicht, aber Sie werden schnell merken, wie das Vertrauen in Ihre Person und das von Ihnen gezeigte steigt.
Nach und nach werden auch andere Ihren Stil annehmen und phrasenfrei Präsentieren.
Dieses wird sich auch in Ihren Geschäftsgrafiken und Reports zeigen.

Unsere Website hat einen durchschnittlichen "BlaBla-Wert" von 0,4 - Natürlich ist auch dieser Verbesserungswürdig, aber wir scheinen auf dem richtigem Weg zu sein.
Dieser Wert kommt lt. BlaBla-Meter übrigens auch sehr häufig bei wissenschaftlichen Texten vor.





Mittwoch, 17. August 2011

mit Wissen glänzen, blendet oft

Eine klassische Situation, von der ich eigentlich dachte, dass Sie sich bei mir nicht mehr ereignen sollte.
Mein Kompagnon schlug mir vor, mich einmal mit seinem Freund zu treffen, der hätte eine Anforderung die wir abdecken könnten.
Am besten Freitag nachmittag, Kleidung locker - ist ja mein Kumpel.
Worum gehts denn ? fragte ich noch - "irgendwie Risiko-Management" war die nicht wirklich detaillierte Antwort.

Die einzige Vorbereitung bestand also darin, dass ich in lässiger Kleidung zu dem Termin fuhr und unsere Risiko-Management Lösung nochmals auf Funktion prüfte, falls ich was zeigen sollte.

Beim Termin angekommen, sass ich dann in Jeans und Sommerhemd lässig über der Hose getragen( wenigstens kein T-Shirt) dem in feinem Anzug gedressten Geschäftsführer einer Investmentgesellschaft gegenüber - soweit zum Dresscode.

Ich muss zugeben kein Bank- oder Investment-Banking Spezialist zu sein, und so verstand ich ich dann auch wirklich nicht sehr viel von den Anforderungen des potentiellen Kunden, aber statt wie gewohnt einfach nachzuhaken, ging ich - wohl durch den Makel meiner deplazierten Kleidung eingeschüchtert - in die Offensive und schuettete mein gesamtes Wissen über Risikomanagement-Lösungen über den Kunden - wenn schon mein äusserer Eindruck nicht stimmte musste ich halt mit meinem Wissen glänzen.

Anstatt eine vernünftige Anforderungsanalyse zu betreiben, zeigte ich dem armen Kunden erstmal was das Risikomanagement eigentlich bedeutet egal was der Kunde mir vorher erzählt hat.

Nach 2 Stunden ( wohl aufgrund der Freunschaft zu meinem Kompagnon sind wir nicht vorher verabschiedet worden ) stellte sich dann heraus, das die von uns entwickelte Lösung des Risikomanagements eigentlich gar nichts mit dem Verständnis von Banken und Investoren zum Risikomanagement zu tuen hat, wir ihn aber in bei der Lösung seiner Anforderungen sehr wohl unterstützen könnten.

Ich hoffe der Kunde und ich, können uns in Zukunft noch häufiger sehen, ohne uns zu blenden.